Umfassender Leitfaden zur Altersbedingten Makuladegeneration (AMD) für die Facharztprüfung
Lernziele
- Die Inhalte der Einzelvorlesung „Umfassender Leitfaden zur Altersbedingten Makuladegeneration (AMD) für die Facharztprüfung“ strukturiert wiedergeben.
- Diagnostische Befunde und Differenzialdiagnosen fachärztlich einordnen.
- Therapie, Verlauf und Warnzeichen sicher beurteilen.
Ausführliche Vorlesung
Umfassender Leitfaden zur Altersbedingten Makuladegeneration (AMD) für die Facharztprüfung
1. Executive Summary: Kernkonzepte der AMD
Die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist nicht nur das „tägliche Brot“ in der retinalen Spezialsprechstunde – sie stellt etwa ein Drittel der gesamten Patientenlast dar –, sondern sie ist auch der Dreh- und Angelpunkt der Facharztprüfung. Als Prüfungsvorsitzender betone ich: Wer die AMD-Klassifikation und die OCT-Interpretation nicht sicher beherrscht, gefährdet sein Bestehen. Strategisch ist die AMD die weltweit führende Ursache für irreversible zentrale Erblindung bei Patienten über 50 Jahren.
Das Fundament für die Prüfung bilden vier Säulen: Epidemiologie, Anatomie, Klassifikation und Therapie. Die entscheidende klinische Weichenstellung erfolgt durch die Differenzierung zwischen der „trockenen“ (atrophischen) Form, die durch langsamen Progress besticht, und der „feuchten“ (neovaskulären) Form, die durch Exsudation und rapiden Visusverlust gekennzeichnet ist. Die Basis jeder diagnostischen Einordnung ist dabei die exzellente Kenntnis der retinalen Anatomie.
2. Anatomische Grundlagen und OCT-Bildgebung
Die Optische Kohärenztomografie (OCT) ist heute die In-vivo-Histologie des Augenhintergrundes. In der Prüfung wird von Ihnen erwartet, dass Sie die 10 Schichten der Netzhaut nicht nur benennen, sondern pathologische Abweichungen sofort zuordnen können.
- Der retinale Komplex: Das Zusammenspiel zwischen Photorezeptoren, dem Retinalen Pigmentepithel (RPE) und der Bruch-Membran ist der Ort des Krankheitsgeschehens.
- OCT-Merkmale des gesunden Auges:
- Foveale Depression: Die physiologische Einmulmung.
- Ellipsoidzone (früher IS-OS): Ein vitaler Marker für die Integrität der Photorezeptoren.
- RPE-Linie: Eine hyperreflektive Schicht, die als metabolische Barriere fungiert.
- Choroidea (Aderhaut): Das am stärksten vaskularisierte Gewebe des Körpers. Achten Sie auf die Dicke (Pachychoroid), da dies der Schlüssel zur Abgrenzung von AMD-Alternativen ist.
3. Epidemiologie, Risikofaktoren und Pathogenese
In der mündlichen Prüfung wird oft nach dem „Warum“ gefragt. Sie müssen die Pathogenese als kausale Kette darstellen können.
- Risikofaktoren: Alter (primär), Rauchen (stärkster modifizierbarer Faktor), Ernährung (Mangel an Lutein/Zeaxanthin) und Genetik (55 % familiäre Korrelation).
- Pathogenese (The "Garbage Disposal" Failure): Das RPE ist für die Entsorgung von Stoffwechselabfällen der Photorezeptoren zuständig. Bei einer Dysfunktion akkumuliert Lipofuszin, und es bilden sich Basal-Laminar-Deposits.
- Kausalkette für die Prüfung: RPE-Dysfunktion/Atrophie \rightarrow lokaler Hypoxie-Stress \rightarrow Ausschüttung von VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) \rightarrow Triggerung der Neovaskularisation. Merken Sie sich diesen Pfad; er ist die Standardantwort auf die Frage nach der Entstehung der feuchten AMD.
4. Klassifikation und Klinisches Bild der AMD
Unterscheiden Sie präzise zwischen den Stadien, da davon die Prognose abhängt.
Trockene (Dry) AMD
- Intermediäres Stadium: Mittelgroße bis große Drusen und Pigmentverschiebungen.
- Geographische Atrophie (GA): Das Spätstadium. Definitorisch gilt für die Prüfung: Ein scharf begrenztes Areal des RPE-Verlusts von >175 Mikrometern Ausdehnung.
Feuchte (Neovaskuläre) AMD
Hier ist die präzise Nomenklatur der Makulären Neovaskularisation (MNV/CNV) essenziell:
- Typ 1 (sub-RPE): Entspricht oft dem „okkulten“ Typ in der Fluoreszeinangiografie.
- Typ 2 (sub-retinal): Entspricht dem „klassischen“ Typ.
- Typ 3 (intra-retinal): Auch als Retinale Angiomatöse Proliferation (RAP) bekannt.
- Retikuläre Pseudodrusen: Ein wichtiger Befund oberhalb des RPE (subretinal). Merken Sie sich: Diese Patienten haben ein deutlich höheres Risiko für einen Progress in die Atrophie.
5. Detaillierte Diagnostik: OCT, FAF und Angiografie
Die OCT-Interpretation entscheidet über Therapie oder Beobachtung.
- OCT-Analyse: Suchen Sie nach intraretinaler Flüssigkeit (IRF), subretinaler Flüssigkeit (SRF) und Pigmentepithelabhebungen (PED).
- Prüfungsfrage: Welche Flüssigkeit ist „schlimmer“? Antwort: IRF korreliert meist mit einem schlechteren Visus-Outcome als reine SRF.
- Fundus-Autofluoreszenz (FAF): Goldstandard für die GA-Überwachung. RPE-Verlust ist hypofluoreszent (schwarz), Randzonen mit Metabolismusstörung oft hyperfluoreszent (weiß).
- OCT-Angiografie (OCT-A) vs. FA: Die OCT-A ist brillant zur Darstellung der Gefäßarchitektur ohne Farbstoff, die klassische FA bleibt jedoch überlegen bei der Beurteilung der Leckage (Leakage).
- Amsler-Gitter: Instruieren Sie Patienten zur monokularen Heimüberwachung. Metamorphopsien sind das Alarmzeichen für eine Konversion zur feuchten Form.
- Lifestyle & AREDS-2: Die Supplementierung (Lutein, Zeaxanthin, Vit. C, E, Zink) senkt das Risiko des Übergangs in die feuchte AMD um ca. 20 %.
- Komplement-Inhibitoren (Syfovre, Izervay): Seit 2023 verfügbar. Diese hemmen C3/C5. Wichtig für das Prüfungsgespräch: Betonen Sie die realistische Erwartungshaltung – 20–25 % Verlangsamung des Atrophie-Wachstums, aber keine Visusverbesserung!
- Zusatzwissen für die Bestnote: Erwähnen Sie die Photobiomodulation (PBM, z.B. Valeda-System). Hierbei werden 9 Sitzungen über 3–5 Wochen durchgeführt, um den mitochondrialen Status des RPE zu verbessern.
7. Management der Feuchten AMD (nAMD): Anti-VEGF-Therapie
Die Anti-VEGF-Injektion (IVOM) ist die tragende Säule.
- Wirkstoffe: Bevacizumab (Avastin), Ranibizumab (Lucentis), Aflibercept (Eylea) sowie die neuen High-Dose-Präparate (Eylea 8mg) und Faricimab (Vabysmo), das zusätzlich Ang-2 blockiert.
- Protokolle:
- Treat & Extend (T&E): Bevorzugt, um die Injektionslast zu senken und Rezidive proaktiv zu verhindern.
- PRN (Pro Re Nata): Nur bei Aktivität.
- Injektionstechnik: Sterilität ist alles! 5 % Betadin in den Sack. Injektionsabstand: 3,5–4 mm vom Limbus.
- Patientenaufklärung (Prüfungsrelevant): Instruieren Sie den Patienten: „Heute kein Wasser ans Auge, nicht reiben, keine Gartenarbeit.“ Dies sind die praktischen Fragen im Teil „Patientenführung“.
Achtung: Hier verwechseln Kandidaten regelmäßig Krankheitsbilder, was zum Nichtbestehen führen kann.
- Chorioretinitis Centralis Serosa (CCS/CSR): Betrifft jüngere, gestresste Patienten. OCT zeigt ein Pachychoroid (verdickte Aderhaut).
- Absolutes Killer-Kriterium: Die Gabe von Steroiden ist bei CSR kontraindiziert und verschlechtert den Befund massiv. Wer hier Steroide vorschlägt, fällt durch!
- Polypoidale Choroidale Vaskulopathie (PCV): Häufiger bei asiatischen Patienten. Das klassische Prüfungsmerkmal im OCT ist das "Doppel-Höcker-Phänomen" (Double Hump). Goldstandard der Diagnose: ICG-Angiografie zur Darstellung der Polypen.
- Myope CNV: Bei pathologischer Myopie. Spricht oft hervorragend auf Einzelinjektionen an; eine lebenslange Dauertherapie ist hier seltener nötig als bei der AMD.
9. Komplikationsmanagement und "Red Flags"
- Endophthalmitis: Schmerz, Rötung, Visusabfall, Hypopyon nach IVOM. Sofortige Intervention (Antibiotika/Vitrektomie) erforderlich!
- RPE-Riss (RPE Tear): Tritt bei hohen PEDs (>600 Mikrometer) nach Injektion auf.
- Prüfungsfalle "Harte Exsudate": Verwechseln Sie diese nicht mit Drusen! Harte Exsudate sind intraretinal (oft Diabetes), Drusen liegen sub-RPE.
10. Quick-Review Summary Table (Prüfungs-Checkliste)
| Merkmal | Befund / Definition | Diagnostik-Tool | Therapie-Standard | Prüfungs-Highlight ("Red Flag") |
|---|
| Drusen | Sub-RPE Ablagerungen | OCT | Beobachtung / AREDS-2 | Abgrenzung zu harten Exsudaten |
| Geogr. Atrophie | RPE-Verlust >175 µm | FAF / OCT | Komplement-Inh. / PBM | Nur Progressionshemmung! |
| Feuchte AMD | Exsudation / MNV 1-3 | OCT / FA / OCT-A | Anti-VEGF (T&E) | IRF ist visusrelevanter als SRF |
| PCV | Serosanguinolente PED | ICG / OCT | Anti-VEGF / ggf. PDT | "Double Hump" im OCT |
| CSR (Zentralserosa) | Pachychoroid / SRF | OCT | Stressabbau / Beobachtung | Keine Steroide! (Killer-Frage) |
| Endophthalmitis | Entzündung nach IVOM | Klinik / Spaltlampe | Intravitreal. Antibiotika | Notfall: Schmerz + Visusabfall |
Prüfungsorientierter Überblick
Umfassender Leitfaden zur Altersbedingten Makuladegeneration (AMD) für die Facharztprüfung
1. Executive Summary: Kernkonzepte der AMD Die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist nicht nur das „tägliche Brot“ in der retinalen Spezialsprechstunde – sie stellt etwa ein Drittel der gesamten Patientenlast dar –, sondern sie ist auch der Dreh- und Angelpunkt der Facharztprüfung. Als Prüfungsvorsitzender betone ich: Wer die AMD-Klassifikation und die OCT-Interpretation nicht sicher beherrscht, gefährdet sein Bestehen. Strategisch ist die AMD die weltweit führende Ursache für irreversible zentrale Erblindung bei Patienten über 50 Jahren.
Das Fundament für die Prüfung bilden vier Säulen: Epidemiologie, Anatomie, Klassifikation und Therapie. Die entscheidende klinische Weichenstellung erfolgt durch die Differenzierung zwischen der „trockenen“ (atrophischen) Form, die durch langsamen Progress besticht, und der „feuchten“ (neovaskulären) Form, die durch Exsudation und rapiden Visusverlust gekennzeichnet ist. Die Basis jeder diagnostischen Einordnung ist dabei die exzellente Kenntnis der retinalen Anatomie.
2. Anatomische Grundlagen und OCT-Bildgebung Die Optische Kohärenztomografie (OCT) ist heute die In-vivo-Histologie des Augenhintergrundes. In der Prüfung wird von Ihnen erwartet, dass Sie die 10 Schichten der Netzhaut nicht nur benennen, sondern pathologische Abweichungen sofort zuordnen können.
Der retinale Komplex: Das Zusammenspiel zwischen Photorezeptoren, dem Retinalen Pigmentepithel (RPE) und der Bruch-Membran ist der Ort des Krankheitsgeschehens. OCT-Merkmale des gesunden Auges: Foveale Depression: Die physiologische Einmulmung. Ellipsoidzone (früher IS-OS): Ein vitaler Marker für die Integrität der Photorezeptoren. RPE-Linie: Eine hyperreflektive Schicht, die als metabolische Barriere fungiert. Choroidea (Aderhaut): Das am stärksten vaskularisierte Gewebe des Körpers. Achten Sie auf die Dicke (Pachychoroid), da dies der Schlüssel zur Abgrenzung von AMD-Alternativen ist.
3. Epidemiologie, Risikofaktoren und Pathogenese In der mündlichen Prüfung wird oft nach dem „Warum“ gefragt. Sie müssen die Pathogenese als kausale Kette darstellen können.
Risikofaktoren: Alter (primär), Rauchen (stärkster modifizierbarer Faktor), Ernährung (Mangel an Lutein/Zeaxanthin) und Genetik (55 % familiäre Korrelation). Pathogenese (The "Garbage Disposal" Failure): Das RPE ist für die Entsorgung von Stoffwechselabfällen der Photorezeptoren zuständig. Bei einer Dysfunktion akkumuliert Lipofuszin, und es bilden sich Basal-Laminar-Deposits. Kausalkette für die Prüfung: RPE-Dysfunktion/Atrophie rightarrow lokaler Hypoxie-Stress rightarrow Ausschüttung von VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) rightarrow Triggerung der Neovaskularisation. Merken Sie sich diesen Pfad; er ist die Standardantwort auf die Frage nach der Entstehung der feuchten AMD.
4. Klassifikation und Klinisches Bild der AMD Unterscheiden Sie präzise zwischen den Stadien, da davon die Prognose abhängt.
Trockene (Dry) AMD Intermediäres Stadium: Mittelgroße bis große Drusen und Pigmentverschiebungen. Geographische Atrophie (GA): Das Spätstadium. Definitorisch gilt für die Prüfung: Ein scharf begrenztes Areal des RPE-Verlusts von 175 Mikrometern Ausdehnung.
Feuchte (Neovaskuläre) AMD Hier ist die präzise Nomenklatur der Makulären Neovaskularisation (MNV/CNV) essenziell: 1. Typ 1 (sub-RPE): Entspricht oft dem „okkulten“ Typ in der Fluoreszeinangiografie. 2. Typ 2 (sub-retinal): Entspricht dem „klassischen“ Typ. 3. Typ 3 (intra-retinal): Auch als Retinale Angiomatöse Proliferation (RAP) bekannt. Retikuläre Pseudodrusen: Ein wichtiger Befund oberhalb des RPE (subretinal). Merken Sie sich: Diese Patienten haben ein deutlich höheres Risiko für einen Progress in die Atrophie.
Diagnostik
- 1. Executive Summary: Kernkonzepte der AMD Die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist nicht nur das „tägliche Brot“ in der retinalen Spezialsprechstunde – sie stellt etwa ein Drittel der gesamten Patientenlast dar –, sondern sie ist auch der Dreh- und Angelpunkt der Facharztprüfung. Als Prüfungsvorsitzender betone ich: Wer die AMD-Klassifikation und die OCT-Interpretation nicht sicher beherrscht, gefährdet sein Bestehen. Strategisch ist die AMD die weltweit führende Ursache für irreversible zentrale Erblindung bei Patienten über 50 Jahren.
- Das Fundament für die Prüfung bilden vier Säulen: Epidemiologie, Anatomie, Klassifikation und Therapie. Die entscheidende klinische Weichenstellung erfolgt durch die Differenzierung zwischen der „trockenen“ (atrophischen) Form, die durch langsamen Progress besticht, und der „feuchten“ (neovaskulären) Form, die durch Exsudation und rapiden Visusverlust gekennzeichnet ist. Die Basis jeder diagnostischen Einordnung ist dabei die exzellente Kenntnis der retinalen Anatomie.
- 2. Anatomische Grundlagen und OCT-Bildgebung Die Optische Kohärenztomografie (OCT) ist heute die In-vivo-Histologie des Augenhintergrundes. In der Prüfung wird von Ihnen erwartet, dass Sie die 10 Schichten der Netzhaut nicht nur benennen, sondern pathologische Abweichungen sofort zuordnen können.
- Der retinale Komplex: Das Zusammenspiel zwischen Photorezeptoren, dem Retinalen Pigmentepithel (RPE) und der Bruch-Membran ist der Ort des Krankheitsgeschehens. OCT-Merkmale des gesunden Auges: Foveale Depression: Die physiologische Einmulmung. Ellipsoidzone (früher IS-OS): Ein vitaler Marker für die Integrität der Photorezeptoren. RPE-Linie: Eine hyperreflektive Schicht, die als metabolische Barriere fungiert. Choroidea (Aderhaut): Das am stärksten vaskularisierte Gewebe des Körpers. Achten Sie auf die Dicke (Pachychoroid), da dies der Schlüssel zur Abgrenzung von AMD-Alternativen ist.
- Feuchte (Neovaskuläre) AMD Hier ist die präzise Nomenklatur der Makulären Neovaskularisation (MNV/CNV) essenziell: 1. Typ 1 (sub-RPE): Entspricht oft dem „okkulten“ Typ in der Fluoreszeinangiografie. 2. Typ 2 (sub-retinal): Entspricht dem „klassischen“ Typ. 3. Typ 3 (intra-retinal): Auch als Retinale Angiomatöse Proliferation (RAP) bekannt. Retikuläre Pseudodrusen: Ein wichtiger Befund oberhalb des RPE (subretinal). Merken Sie sich: Diese Patienten haben ein deutlich höheres Risiko für einen Progress in die Atrophie.
- 5. Detaillierte Diagnostik: OCT, FAF und Angiografie Die OCT-Interpretation entscheidet über Therapie oder Beobachtung.
- OCT-Analyse: Suchen Sie nach intraretinaler Flüssigkeit (IRF), subretinaler Flüssigkeit (SRF) und Pigmentepithelabhebungen (PED). Prüfungsfrage: Welche Flüssigkeit ist „schlimmer“? Antwort: IRF korreliert meist mit einem schlechteren Visus-Outcome als reine SRF. Fundus-Autofluoreszenz (FAF): Goldstandard für die GA-Überwachung. RPE-Verlust ist hypofluoreszent (schwarz), Randzonen mit Metabolismusstörung oft hyperfluoreszent (weiß). OCT-Angiografie (OCT-A) vs. FA: Die OCT-A ist brillant zur Darstellung der Gefäßarchitektur ohne Farbstoff, die klassische FA bleibt jedoch überlegen bei der Beurteilung der Leckage (Leakage). Amsler-Gitter: Instruieren Sie Patienten zur monokularen Heimüberwachung. Metamorphopsien sind das Alarmzeichen für eine Konversion zur feuchten Form.
- 8. Differentialdiagnostik und Sonderformen Achtung: Hier verwechseln Kandidaten regelmäßig Krankheitsbilder, was zum Nichtbestehen führen kann.
Differenzialdiagnosen
- 1. Executive Summary: Kernkonzepte der AMD Die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist nicht nur das „tägliche Brot“ in der retinalen Spezialsprechstunde – sie stellt etwa ein Drittel der gesamten Patientenlast dar –, sondern sie ist auch der Dreh- und Angelpunkt der Facharztprüfung. Als Prüfungsvorsitzender betone ich: Wer die AMD-Klassifikation und die OCT-Interpretation nicht sicher beherrscht, gefährdet sein Bestehen. Strategisch ist die AMD die weltweit führende Ursache für irreversible zentrale Erblindung bei Patienten über 50 Jahren.
- 8. Differentialdiagnostik und Sonderformen Achtung: Hier verwechseln Kandidaten regelmäßig Krankheitsbilder, was zum Nichtbestehen führen kann.
Therapieprinzipien
- Das Fundament für die Prüfung bilden vier Säulen: Epidemiologie, Anatomie, Klassifikation und Therapie. Die entscheidende klinische Weichenstellung erfolgt durch die Differenzierung zwischen der „trockenen“ (atrophischen) Form, die durch langsamen Progress besticht, und der „feuchten“ (neovaskulären) Form, die durch Exsudation und rapiden Visusverlust gekennzeichnet ist. Die Basis jeder diagnostischen Einordnung ist dabei die exzellente Kenntnis der retinalen Anatomie.
- 5. Detaillierte Diagnostik: OCT, FAF und Angiografie Die OCT-Interpretation entscheidet über Therapie oder Beobachtung.
- 6. Management der Trockenen AMD (Intermediate & GA) Lifestyle & AREDS-2: Die Supplementierung (Lutein, Zeaxanthin, Vit. C, E, Zink) senkt das Risiko des Übergangs in die feuchte AMD um ca. 20 %. Komplement-Inhibitoren (Syfovre, Izervay): Seit 2023 verfügbar. Diese hemmen C3/C5. Wichtig für das Prüfungsgespräch: Betonen Sie die realistische Erwartungshaltung – 20–25 % Verlangsamung des Atrophie-Wachstums, aber keine Visusverbesserung! Zusatzwissen für die Bestnote: Erwähnen Sie die Photobiomodulation (PBM, z.B. Valeda-System) . Hierbei werden 9 Sitzungen über 3–5 Wochen durchgeführt, um den mitochondrialen Status des RPE zu verbessern.
- 7. Management der Feuchten AMD (nAMD): Anti-VEGF-Therapie Die Anti-VEGF-Injektion (IVOM) ist die tragende Säule.
- Chorioretinitis Centralis Serosa (CCS/CSR): Betrifft jüngere, gestresste Patienten. OCT zeigt ein Pachychoroid (verdickte Aderhaut). Absolutes Killer-Kriterium: Die Gabe von Steroiden ist bei CSR kontraindiziert und verschlechtert den Befund massiv. Wer hier Steroide vorschlägt, fällt durch! Polypoidale Choroidale Vaskulopathie (PCV): Häufiger bei asiatischen Patienten. Das klassische Prüfungsmerkmal im OCT ist das "Doppel-Höcker-Phänomen" (Double Hump) . Goldstandard der Diagnose: ICG-Angiografie zur Darstellung der Polypen. Myope CNV: Bei pathologischer Myopie. Spricht oft hervorragend auf Einzelinjektionen an; eine lebenslange Dauertherapie ist hier seltener nötig als bei der AMD.
- 9. Komplikationsmanagement und "Red Flags" Endophthalmitis: Schmerz, Rötung, Visusabfall, Hypopyon nach IVOM. Sofortige Intervention (Antibiotika/Vitrektomie) erforderlich! RPE-Riss (RPE Tear): Tritt bei hohen PEDs ( 600 Mikrometer ) nach Injektion auf. Prüfungsfalle "Harte Exsudate": Verwechseln Sie diese nicht mit Drusen! Harte Exsudate sind intraretinal (oft Diabetes), Drusen liegen sub-RPE.
- Merkmal Befund / Definition Diagnostik-Tool Therapie-Standard Prüfungs-Highlight ("Red Flag") :--- :--- :--- :--- :--- Drusen Sub-RPE Ablagerungen OCT Beobachtung / AREDS-2 Abgrenzung zu harten Exsudaten Geogr. Atrophie RPE-Verlust 175 µm FAF / OCT Komplement-Inh. / PBM Nur Progressionshemmung! Feuchte AMD Exsudation / MNV 1-3 OCT / FA / OCT-A Anti-VEGF (T&E) IRF ist visusrelevanter als SRF PCV Serosanguinolente PED ICG / OCT Anti-VEGF / ggf. PDT "Double Hump" im OCT CSR (Zentralserosa) Pachychoroid / SRF OCT Stressabbau / Beobachtung Keine Steroide! (Killer-Frage) Endophthalmitis Entzündung nach IVOM Klinik / Spaltlampe Intravitreal. Antibiotika Notfall: Schmerz + Visusabfall
Red Flags
- 2. Anatomische Grundlagen und OCT-Bildgebung Die Optische Kohärenztomografie (OCT) ist heute die In-vivo-Histologie des Augenhintergrundes. In der Prüfung wird von Ihnen erwartet, dass Sie die 10 Schichten der Netzhaut nicht nur benennen, sondern pathologische Abweichungen sofort zuordnen können.
- 9. Komplikationsmanagement und "Red Flags" Endophthalmitis: Schmerz, Rötung, Visusabfall, Hypopyon nach IVOM. Sofortige Intervention (Antibiotika/Vitrektomie) erforderlich! RPE-Riss (RPE Tear): Tritt bei hohen PEDs ( 600 Mikrometer ) nach Injektion auf. Prüfungsfalle "Harte Exsudate": Verwechseln Sie diese nicht mit Drusen! Harte Exsudate sind intraretinal (oft Diabetes), Drusen liegen sub-RPE.
- Merkmal Befund / Definition Diagnostik-Tool Therapie-Standard Prüfungs-Highlight ("Red Flag") :--- :--- :--- :--- :--- Drusen Sub-RPE Ablagerungen OCT Beobachtung / AREDS-2 Abgrenzung zu harten Exsudaten Geogr. Atrophie RPE-Verlust 175 µm FAF / OCT Komplement-Inh. / PBM Nur Progressionshemmung! Feuchte AMD Exsudation / MNV 1-3 OCT / FA / OCT-A Anti-VEGF (T&E) IRF ist visusrelevanter als SRF PCV Serosanguinolente PED ICG / OCT Anti-VEGF / ggf. PDT "Double Hump" im OCT CSR (Zentralserosa) Pachychoroid / SRF OCT Stressabbau / Beobachtung Keine Steroide! (Killer-Frage) Endophthalmitis Entzündung nach IVOM Klinik / Spaltlampe Intravitreal. Antibiotika Notfall: Schmerz + Visusabfall
Prüfungsfragen
1. Was sind die wichtigsten Lernpunkte der Vorlesung „Umfassender Leitfaden zur Altersbedingten Makuladegeneration (AMD) für die Facharztprüfung“?
Die Antwort ergibt sich aus den strukturierten Abschnitten und muss am individuellen klinischen Befund überprüft werden.
2. Welche Befunde erfordern eine dringliche Abklärung?
Rasche Sehverschlechterung, starke Schmerzen, ausgeprägte Entzündung, Druckanstieg oder Verdacht auf eine infektiöse oder neurologische Ursache.